Laut. Dreckig. Geil.

Ein Straßenfahrer trifft auf die Motocrosswelt.

Eigentlich stehe ich ja auf saubere Motorräder, schöne und kurvige Straßen mit gutem und griffigem Asphalt und fahre meine Touren gerne im Harz oder an der Küste. Meine gute alte Bandit 1200 hat mittlerweile satte 130.000km auf dem Buckel und sieht immer noch aus wie aus dem Ei gepellt. Zwar wird die Kette nicht mit der Zahnbürste geputzt, aber es kommt dem schon sehr nahe. Doch dann verschlug es mich beruflich nach Teutschenthal. Ein online Bericht zur Motocross Weltmeisterschaft war gefragt.

Mit Eintreffen an der Motocross Strecke im Teutschenthaler Talkessel wehte mir schon eine Staubwolke entgegen, der Feind eines jeden mühevoll hoch polierten Lacks. Skeptisch betrachtete ich die Strecke, die mühsam von schnaufenden Traktoren bei bestem Wetter und Sonnenschein für die Rennen vorbereitet wurde und beim ersten Rundgang über das Veranstaltungsgelände wurde mir klar: hier wird es richtig zur Sache gehen. Volksfeststimmung und Party, gepaart mit Einzylinder-Sound, der jedes Bauchfell in Schwingungen versetzt.

Zugegebenermaßen halten sich meine Erfahrungen im Bereich Motocross eher in Grenzen und ich war überrascht von der Nähe der Teams zu den Besuchern. Jeder kann direkt in die Team-Zelte schauen, die Fahrer und Mechaniker hautnah beobachten, alles ist direkt greifbar und unmittelbar erlebbar. Ganz anders, als man es von anderen Rennveranstaltungen auf diesem Niveau kennt. Die Nähe macht sympathisch und fasziniert zugleich. Und so begann meine anfängliche Skepsis gegenüber dieser doch recht eingeschworenen Gemeinschaft mehr und mehr einer aufrichtigen Bewunderung zu weichen.

Mit dem Start der ersten Trainingsläufe zog mich das Flair dieser Veranstaltung dann vollends in ihren Bann. Die Kolben der Motoren hämmerten derartig eindringlich scheinbar direkt in den Boden, dass die ganze Erde zu beben schien. Die Fahrer (und Fahrerinnen) jagten über die Piste und trotzten, der Topologie der Strecke folgend, der Schwerkraft mit beeindruckenden Sprüngen. Je näher die eigentlichen Rennen kamen, umso mehr Besucher zog es an die – zugegebener Maßen einfach genial gelegene – Strecke.

Beeindruckend auch, was die Jungs und Mädels bei diesem doch sehr rauen Sport einstecken. Während bei bekannten Ballsportarten, bei denen z.B. 22 Mann mit höchstem Elan hinter einem Ball herlaufen und mit Bravour schon die berührungslose Nähe eines Fußes oder Ellenbogens in vermeintlich höchste Schmerzen und die Unfähigkeit weiterzuspielen umsetzen, wird hier nach einem heftigen Sturz nicht einmal der Staub von der Kleidung gewischt und weiter gefahren, wenn es denn irgendwie geht.

Nicht minder erstaunt war ich von der doch von mir so geliebten Putzgewaltigkeit, die die Teams an den Tag legten. Nach jedem Lauf gönnte man den Maschinen eine intensive Pflegedusche. Selbst ich als Putzteufel wäre nie auf die Idee gekommen, meine Bandit nach jeder noch so kleinen Tour zu waschen. Sehr sympathisch, ob man die Jungs mieten kann? 😉

Nach drei staubigen, aber sehr intensiven Tagen im Teutschenthaler Talkessel muss ich sagen, dass mich selten eine Rennveranstaltung derartig beeindruckt und in ihren Bann gezogen hat und ich kann jedem Motorradbegeisterten – egal welcher Art – nur ans Herz legen, einmal zu einer solchen Veranstaltung zu fahren und das Spektakel live zu erleben.

Gunnar
Online Manager Motorcycle & ATV

Und da Bilder (und auch bewegte Bilder) doch mehr sagen, als 1000 Worte von einem „Straßenfahrer“, hier nun unsere kleine Bildergalerie und schaut euch auch gerne das Video am Ende des Betrags an. Euer Feedback ist willkommen!


Bilder aus dem Teutschenthaler Talkessel

Ein herzlicher Dank geht auch an AmyLeePhotography für die photographische Unterstützung


Video zum MXGP im Teutschenthaler Talkessel

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